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14.01.2012 - Der Shitstorm: Rufmord im Internet
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Gibt es das „richtige“ Verhalten im medialen Fokus?
Ein Begriff hat sich im medialen Zeitalter entwickelt, der den medialen Ansturm auf Persönlichkeiten oftmals des politischen Lebens ziemlich genau bezeichnet. Der Begriff „Shitstorm“ hat sich qualifiziert und etabliert. Derzeit ist der Bundespräsident im Rampenlicht. Er muss abwägen, ob er zurücktritt und ggf. Arbeitsplätze der ihm loyal gesinnten Beschäftigen riskiert oder mit seiner Familie den Mediensturm übersteht.
Beispiele für einen solchen Shitstorms gibt es gerade in der jüngeren Vergangenheit sehr häufig. Daher zu diesem Thema einige Merkmale aus hiesiger Sicht, die den Shitstorm in seiner Wirkungsweise beschreiben.
Merkmales eines Shitstorms
Zunächst fängt es meist mit einer Berichterstattung in den Online-Portalen der Medien zu einem bestimmten Thema an, welches entweder einen aktuellen Anlass hat oder aufgrund sonstiger Sachverhalte, etwa Insiderinformationen, ausgelöst wird.
Diese Berichterstattung, vor allem, wenn sie sich gegen Menschen oder Organisationen des öffentlichen Interesses richtet, wird schnell durch die Onlineportale weiterer Printmedien aufgegriffen.
Die Verlage von Printmedien veröffentlichen permanent weitere Neuigkeiten im Internet, die Taktfrequenz der Berichterstattung im Internet übertrifft die Schlagzahl der Druckexemplare bei weitem.
Sind keine konkreten neuen Sachverhalte zu ermitteln, werden Personen durch die Medien herausgesucht, welche bestimmte Meinungen vertreten. So werden weitere Schlagzeilen zum Thema erzeugt.
Werden Gegenäußerungen durch betroffene Personen getätigt, werden diese analysiert und öffentlich in Frage gestellt.
Zwischenzeitlich wächst das Thema dynamisch in Kommunikationsplattformen, etwa Facebook oder Twitter, durch die Benutzer der Plattformen an.
Schließlich werden Meinungen zu Rücktrittsforderungen gestellt, hierzu werden Personen gesucht, welche diese Ansicht vertreten.
Was ist der Vorteil für die Medien?
In Zeiten, in welchen keine besonderen Nachrichten oder langfristig negative Nachrichten die Berichterstattungslandschaft regieren, sind solche Berichte relativ günstige wie auch relativ wirkungsvolle Maßnahmen, Besucher und Interessenten zu erhalten.
Gezielt kann eine solche Kampagnen auch Konkurrenten oder Widersacher ausschalten.
Wie nun damit umgehen?
Zunächst einmal: Niemand, egal, in welchem Amt, möchte sein gesamtes Leben schonungslos veröffentlicht wissen. Jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens vermutlich Sachverhalte erlebt oder Taten begangen, die er oder sie nicht gerne veröffentlicht wissen würde. Ob sie aus einer Not heraus, aus Mitleid oder einer Abwägung heraus begangen worden sind.
Als betroffener Politiker oder Organisation hat man die Wahl: Wenn es um nachweisbare Angelegenheiten geht, schweigen oder die Wahrheit sagen? Wenn eingeräumt wird, was ohnehin feststeht, ist schnell der Begriff „Salami-Taktik“ im Spiel. Doch auch Betroffene haben Rechte. Die Wahrnehmung dieser wird jedoch werden schnell als Charakterschwäche ausgelegt.
Zunächst einmal: Die Berichterstattung lebt von jeweils neuen Ereignissen auf beiden Seiten. Schweigt die eine Seite, verliert die andere Seite langfristig Interessenten. Denn ohne Reaktion wird der Shitstorm langweilig. Somit sind die Medien gezwungen, sich kurz- bis mittelfristig neue Tätigkeitsfelder zu suchen.
Diese Zeit des eigenen Schweigens ist zu nutzen, um Abwägungen zu treffen.
1. Welche rechtlichen Folgen hat die Angelegenheit in der gesamten Veröffentlichung für mich oder mein Unternehmen, meine Organisation?
2. Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Angelegenheit in der gesamten Veröffentlichung für mich oder mein Unternehmen, meine Organisation? Welche Personen verlieren ihre Arbeitsplätze?
3. Welche Vorteile und welche Nachteile bestehen für mich, mein Unternehmen oder meine Organisation, wenn gewisse Sachverhalte öffentlich eingeräumt werden?
4. Welche Unterstützung habe ich in der Angelegenheit?
5. Wie kann ich weitere Unterstützung aktivieren, etwa durch positive Berichterstattung aufgrund von exklusiven Terminen?
6. Ist der Sachverhalt objektiv geeignet, langfristig den Unmut der Bevölkerung zu erhalten? Hierbei kann eine Rolle spielen, in vorsichtiger Reihenfolge:
Sind Personen verletzt oder getötet worden?
Sind Familien oder andere besonders geschützte Personen/Personengruppen immateriell geschädigt worden?
Ist Personen Unrecht geschehen, wo Recht hätte geschehen müssen?
Liegt ein nachweisbarer Gesetzesverstoß vor?
Liegt eine nachweisbare Ordnungswidrigkeit vor?
Liegt eine angenommene moralische Verpflichtung vor, die verletzt worden ist?
Aus diesen Abwägungen heraus sollte eine Strategie erstellt werden.
Sicher entsteht schnell ein entsprechender Druck, wenn keine mediale Antwort auf vermeintlich drängende Fragen erfolgt. Warum wird so lange geschwiegen, wird gerne öffentlich nachgehakt. Diesem Druck sollte man standhalten,. Und, falls möglich, den aktuellen Status nutzen, andere Sachverhalte von Aktualität voran zu treiben. Das ist allerdings recht schwierig, wenn die Medien zusammen arbeiten. Das Thema muss schon größeres Gewicht haben.
Und: Während der Erarbeitung einer Strategie darf die Würde nicht verloren gehen, darauf ist zu achten. Es lohnt sich daher, die Berichterstattung zum Thema, soweit möglich, aufzuzeichnen und zu dokumentieren, um im Nachgang entsprechende Löschungen durchzuführen.
Im persönlichen Umfeld gilt es, Freunde und Vorteilsuchende zu trennen. So sollten positive Stimmungen ertönen, keine frühzeitigen Forderungen nach Rücktritt oder Auflösung der Organisation auch hier zu finden sein.
Es ist abzuwägen: Ist es wirklich wichtig, dass ich mich jetzt äußere, zurücktrete oder dergleichen? Die Zukunft ist noch nicht geschrieben.
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