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24.04.2014 - Buchvorschlag: Statt, Kirche, Fußball
Fußball-Zeremonien werden gelegentlich mit Gottesdiensten verglichen. Hat Fußball sonst noch etwas mit Religion und Kirche zu tun? Eine Antwort auf diese Frage gibt der Mainzer Autor Gerd Kallweit in seinem Buch „Staat – Kirche – Fußball“. Die Fußballbegeisterung, so lasse sich in wissenschaftlicher Fachliteratur nachlesen, basiere vor allem auf dem Gefühl, einer großen Gemeinschaft Gleichgesinnter anzugehören. Dieses Gefühl aber sei eine Illusion.
Auch religiöser Glaube basiere auf Illusion. Ein großer Teil des Buches dient dazu, die Fundamente des kirchlichen Glaubensgebäudes auf ihre Tragfähigkeit zu überprüfen. „Eigentlich wäre das überflüssig“, so Kallweit, „denn spätestens seit der Aufklärung könnte allgemein bekannt sein, dass es keine belastbaren Fundamente gibt“. Theologen und Kirchenvertreter versuchten jedoch, das Gebäude vor dem Einsturz zu bewahren, indem sie biblische Botschaften relativierten und uminterpretierten.
Wie weit religiöser Glaube allgemein und speziell bei Politikern heute noch verbreitet ist, untersucht der Autor auf zwei Wegen. Die Frage „was glauben die Deutschen?“ beantwortet er mit Hilfe bereits veröffentlichter Untersuchungsergebnisse. Dem Glauben von Politikern hat er mit einer Umfrage bei den Abgeordneten des Bundestags und der Landtage nachgespürt. Die Ergebnisse ähneln sich.
Ob Religion und Kirchen politische Entscheidungen beeinflussen, lässt sich allerdings nicht allein aufgrund der Umfrage ermitteln. Dazu braucht es Beispiele aus der Praxis. Einige bietet das Buch. Mit denen konfrontiert Kallweit die Selbsteinschätzung der Volksvertreter. Die Beispiele verdeutlichen, wie Kirchen und Religionen in alle Politik- und Lebensbereiche eingreifen. Der Staat hofiere die Kirchen. Mit der Finanzierung von Schulen und Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft sowie des Religionsunterrichts in staatlichen Schulen werde die Missionsarbeit der Kirchen aus Steuergeldern unterstützt. Das fördere obrigkeitsorientiertes Denken und Handeln, was nicht im Interesse einer funktionierenden Demokratie liegen könne. Die mehr oder weniger hierarchisch aufgebauten Kirchen passten nicht zum demokratisch organisierten Staat.
Vom Fußball lassen sich Politiker ebenso wie die übrige Bevölkerung begeistern. Das hat die Umfrage ebenfalls zutage befördert. Schädliche Auswirkungen auf die Politik sind dem Autor in diesem Fall aber nicht aufgefallen. Den Abgeordneten rät er: Wenn schon Illusion, dann doch eher Fußball. In der Politik sei denken statt glauben gefordert.

Staat – Kirche – Fußball, ISBN 978-3-95631-115-4, 196 Seiten, Paperback 15,90 EUR, auch als ebook und als pdf erhältlich.
Weitere Informationen: www.shaker-media.de/shop/978-3-95631-115-4
Das Cover-Bild: http://www.gerdkallweit.de/resources/Cover+o.jpg

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